Als ich das erste Mal Sona Jobarteh gehört habe, hätte ich nicht gedacht, dass ihre Musik, ein Konzert von ihr mit ihrer Band, so catchen würde. Es ist nicht nur ihr fantastische Spiel mit dem tollen Instrument „Kora“ und ihre Stimme, die sofort Gänsehaut macht – es ist vor allem die krasse Geschichte dahinter.
In London geboren, aber aus einer alten Griot-Familie stammend, trägt sie ein Erbe in sich, das über Generationen weitergegeben wurde. In Westafrika sind Griots ja nicht einfach nur Musiker; sie sind Geschichtenerzähler, die das Wissen ihrer Kultur bewahren und quasi lebendige Archive sind. Und genau diese Tiefe spürst du in jeder einzelnen Note, die sie spielt. Da steckt einfach so viel Seele drin, natürlich auch in all den Texten, die sie dazu schreibt.
Die wunderbare Kora
Was mich persönlich total fasziniert: Sie hat etwas geschafft, das lange Zeit als Ding der Unmöglichkeit galt. Die Kora – dieses wunderschöne Instrument, das fast magisch klingt mit seinen 21 Saiten – war traditionell den Männern vorbehalten. Aber Sona Jobarteh hat diese Regel mal eben neu geschrieben. Als wahrscheinlich einer der ersten weiblichen Kora-Spielerinen Westafrikas hat sie nicht nur musikalisch, sondern auch gesellschaftlich echt was bewegt.
Ihr musikalischer Weg ist dabei auch kein Zufallsprodukt. Mit einer Ausbildung an Top-Adressen wie dem Royal College of Music und der Purcell School of Music bringt sie eine technische Perfektion mit, die wirklich ihresgleichen sucht. Gleichzeitig bleibt sie aber total ihren Wurzeln treu – und genau diese Mischung macht ihre Musik so einzigartig.
Traditionelle und moderne Musik
Ich find’s super beeindruckend, wie sie in ihrem aktuellen Programm moderne Einflüsse mit traditioneller afrikanischer Musik verknüpft. Das wirkt nie gezwungen oder so, als wäre es am Reißbrett entstanden, sondern total organisch. Man merkt sofort: Hier ist jemand, der nicht zwischen zwei Welten steht, sondern beide in sich trägt und vereint. Das Konzert war wie eine Jam-Session, bei der ein Instrument anfängt und dann nach und nach die anderen mit eingreifen und am Ende ist es ein komplett homogenes Gefüge.
Großartige Band
Was das Ganze noch runder macht, ist definitiv ihre Band. Jeder einzelne Musiker bringt seinen ganz eigenen Vibe mit rein:
- Sidiki Jobarteh (ihr Sohn) am Balafon (Xylophon mit untergehängten Kalebassen) und Gesang
- Eric Appapoulay an Gitarre und Gesang
- Bambo Cissokho an Percussion und Gesang
- Andi McLean am Bass und Gesang (herrlich wie entspannt er den Bass gezupft hat)
- Yuval Wetzler am Schlagzeug
Zusammen zaubern sie einen Sound, der gleichzeitig kraftvoll und unglaublich feinfühlig ist – voller Energie, aber auch voller Seele. Und man merkt ihnen einfach an, wie viel Spaß sie beim zusammen musizieren haben.
Teile der Einnahmen fließen übrigens direkt in ihre The Gambia Academy in der sie den akademischen Lehrplan mit afrikanischer Kultur, Geschichte und Musik verbindet. Eine großartige Sache!