Der Megamarsch war das krasseste, was ich je gemacht habe. Ich hätte nie gedacht, solche Strapazen meinem Körper zumuten und abverlangen zu können. 100 Kilometer in 24 Stunden. Und ich hab’s geschafft.
Der Start in München: Bloß weg von den Quatschköpfen
In München ging es bei leichtem Tröpfeln um 13:15 Uhr los. Ca. 100 Leute sind da gleichzeitig gestartet. Ich habe dann gleich versucht, mich etwas zu separieren, damit ich erstens mein eigenes Tempo laufen konnte. Zweitens war hinter mir eine Gruppe von drei, vier Jungs, die pausenlos irgendeinen Schwachsinn gelabert haben. Die musste ich irgendwie loswerden.
Erst war das Wetter noch ganz gut, aber dann hat es begonnen, stark zu regen. An der Isar habe ich zum ersten Mal meinen Bruder Flo getroffen, der mir mit dem Regenschirm in der Hand entgegenkam. Durch das schlechte Wetter musste dann ein Abschnitt der Strecke umgangen werden, sodass wir bei Kilometer 20 schon 1,6 Kilometer mehr gelaufen waren. Dort habe ich mich im Camper von Flo das erste Mal für 30 Minuten erholt. Da war auch noch alles gut.
Ein wunderschöner Ammersee und frisches Kartoffelgratin
Der nächste 20-Kilometer-Abschnitt führte mich dann schon in die Nacht hinein und am Ammersee konnte ich einen wunderschönen Sonnenuntergang erleben. Bei ca. Kilometer 23, immer noch am See, machte ich die nächste 30-minütige Pause – und zwar mit frischem Kartoffelgratin vom Flo.
Das Wetter klarte jetzt komplett auf und ich marschierte unter sternenklarem Himmel, allerdings bei gerade mal 3 Grad Kälte, weiter. Nach ca. 52 Kilometern hatte ich mein erstes Tief. Da ging es mir insgesamt nicht so gut. Ich habe etwas langsamer gemacht und versucht, mehr zu trinken. Das hat dann auch irgendwann geholfen und so kam ich mitten in der Nacht, ca. um 3 Uhr bei Kilometer 62, zu meiner dritten Pause. Heißer Tee und die Heizung im Camper haben mich wieder etwas aufgewärmt.
Alpenpanorama und der streikende linke Fuß
Die Beine und Füße habe ich schon gescheit gespürt. Also noch mal Socken gewechselt, ein bisschen die Beine gedehnt und es ging wieder los. Vom Kopf her wurde es dann etwas leichter, da es langsam hell wurde und man teilweise tolle Aussichten auf die von der Morgensonne beleuchteten Alpen hatte. Den Beinen half das leider nicht viel.
Auf dem Weg mit wunderschönem Alpenpanorama machte mein linker Fuß ab ca. 70 Kilometern echt Probleme. Aber ich biss die Zähne zusammen, da ich unbedingt noch zur letzten Verpflegungsstation bei Kilometer 82 kommen wollte, wo Flo auf mich wartete. Dort angekommen tat mir dann schon wirklich alles weh. Ich habe fast eine ganze Flasche Cola getrunken und mich – auch durch Flos Zureden – noch mal in meine Schuhe gezwängt und bin auf den letzten Abschnitt losmarschiert.
Das Mantra gegen den Horror-Asphalt
Da war dann insgesamt schon sehr viel weniger los, viele hatten bis dahin schon aufgegeben. Und ich habe ziemlich lange gebraucht, um wieder in Schwung zu kommen. Das Erstaunliche war, dass ich die Schmerzen im linken Fuß während des Laufens echt gut ausblenden konnte. Aber ich bin schon mehr dahingehumpelt als wirklich gegangen. Nach weiteren 5 Kilometern kam Flo noch mal zur Strecke, da ich meine Kopfhörer bei ihm vergessen hatte, und motivierte mich noch mal durchzuhalten. Das war noch mal wichtig.
Ab da begann eine ziemlich langweilige Strecke durch ein Tal auf einem Radelweg. Immer auf Asphalt – der absolute Horror für meine Füße. Aber ich habe mir im Kopf wie ein Mantra vor mich hin erzählt: „Weitergehen, noch einen Schritt, weitergehen…“ und so weiter. Eigentlich haben mir mein linker Fuß und auch mein Kopf gesagt: Jetzt ist Schluss. Aber den Kopf habe ich irgendwie überlistet und so habe ich den Schmerz im Fuß ausgeschlossen.
Der finale Wahnsinn kurz vor der 100-Kilometer-Marke
Am Ende hatten sie noch mal echt fiese Anstiege mit in die Strecke eingebaut. Beim Ersten, kurz vor 100 Kilometern, hatte ich das Gefühl, mein Leben noch mal durchzuspielen. Ich habe völlig sinnfrei angefangen zu lachen – keine Ahnung warum, aber mein Kopf hat da eh schon Dinge gemacht, die nicht mehr rational waren.
Nach diesem ersten Anstieg musste ich dann dringend mal austreten. Und genau als ich mich an einen Baum stellte, signalisierte mir meine Uhr: 100 Kilometer geschafft!!!! So genüsslich, glücklich und zufrieden habe ich selten gepullert. Und es war 13:10 Uhr, also genau 5 Minuten vor den 24 Stunden.
Das emotionale Finale in Garmisch und der Endgegner im Wirtshaus
25.000 Euro hatte ich also für unser KiSS-Schulspeisungsprojekt erhatscht. Ich habe dann kurz mal vor Freude und Stolz ein paar Tränen verdrücken müssen. Leider ging es dann noch 6,6 Kilometer weiter bis ins Ziel nach Garmisch. Aber das habe ich dann mit vielen stummen Flüchen auch noch geschafft. Und was für ein geiles Gefühl der letzte Kilometer und dann das Einmarschieren im Skisprung-Stadion in Garmisch ins Ziel ist, kann man eigentlich nicht beschreiben. Mental und körperlich völlig zerstört, aber mega stolz und glücklich, es geschafft zu haben.
Meine Mutter und Flo sowie zwei weitere Vereinsmitglieder haben mich im Ziel empfangen – sehr cool. Ich habe dann dort sofort die Finisher-Medaille um den Hals bekommen und die Urkunde in die Hand gedrückt gekriegt. Dort in der Wirtschaft gab’s noch was zu essen und ich habe fast meinen Endgegner auf der Treppe zum Klo gefunden, die ich fast weder runter noch wieder rauf geschafft habe. Mein linker Fuß war ein einziger Schmerz. Auf der Heimfahrt bin ich dann schon kurz eingeschlafen. Zu Hause habe ich alles einfach nur irgendwo fallen gelassen, mich auf meine Shakti-Matte gelegt und bin sofort darauf eingepennt.
Mein Fazit eine Woche später
Eine Woche später bin ich immer noch stolz auf mich, diesen Megamarsch München 2026 mit insgesamt 106 Kilometern geschafft zu haben. Allerdings habe ich auch immer noch Schmerzen im linken Fuß. Die Röntgenbilder zeigen aber keine Fraktur, es ist also einfach immer noch eine Überbelastung.
Insgesamt war es einfach die krasseste Aktion ever in meinem bisherigen Leben und zumindest ein weiterer Megamarsch wird da auch nicht mehr dazu kommen. Einmal reicht! Aber es hat sich total gelohnt: 25.000 Euro sind für das KiSS-Programm, die Kinder-Schul-Speisung, zusammengekommen.




































